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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kontermutter Ventileinstellschraube gelöst



onehundred
02.05.2014, 15:18
Moin zusammen,
ich brauche Euren Hirnschmalz.
Ich hatte ja vor einiger Zeit einen Schaden an der Zylinderkopfdichtung. Bei der Inspektion des Zylinderkopfes war ich der Meinung, dass zwei feine Risse zu entdecken waren. Beim Stammtisch haben wir lange hin und her diskutiert, ob das Risse oder Kratzer sind, aber meine Entscheidung ist gefallen dem Zylinderkopf nach 230tkm nicht noch das Geld für eine Druckprüfung hinterherzuwerfen.
Stattdessen habe ich einen neuen Zylinderkopf von Turner eingebaut. Die Firma hat ja allgemein einen guten Ruf. Nach einigem überlegen habe ich mich für den Performance-Kopf entschieden. Weil ich ja sowieso dabei war habe ich auch noch die Ölpumpe gemacht und die Pleuellager angesehen und gewechselt, weil der Öldruck bei der letzten Reise deutlich abgenommen hatte. Jetzt ist er wieder prima.

Soweit so gut, alles lief schön, aber nur ca. 1 km! Dann wurde die Kiste furchtbar laut. Es hörte sich an wie Zündungen bei kaputtem Krümmer oder Kompression im Ansaugtrakt. Also zurück zur Werkstatt, dort habe ich den Ventildeckel heruntergenommen und sofort gesehen, dass sich die Kontermutter vom Ventil eins gelöst hatte. Schöner Mist! Die Einstellschraube muss beim Lösen auf die Kante der Stößelstange aufgesetzt sein, was die Stößelstange verbogen hat. Die neue Ventilkappe "Valve cap. Original equipment. (NOT current Land Rover caps as they are incorrect material specificaiton). Exclusive to Turner Engineering" lag natürlich daneben.

Ich bin beim Ventile einstellen eigentlich sehr sorgfältig, alles wird doppelt gecheckt, eine gute Erklärung fiel mir nicht ein.
Das einzige, was ich bemerkt hatte, war eine leichte Schwergängigkeit der Kontermuttern auf den Einstellschrauben. Meine Erklärung war, dass das ganze dadurch möglicherweise nicht ausreichend gekontert war. Bei den Schrauben war das Gewinde bei allen nicht völlig jungfräulich. Den Schieber für die Stößelstange habe ich von oben mit dem Endoskop angesehen ohne Schäden zu entdecken. Also 8 neue Stößelstangen, Kontermuttern und Einstellschrauben eingebaut. Alles doppelt gecheckt. Kontermuttern mit Drehmomentschlüssel angezogen (was ich sonst gewöhnlich nicht mache). Und über den schönen Motorlauf gefreut.

Aber was soll ich sagen, nach ca. 15 km plötzlich wieder das gleiche Geräusch. Am Straßenrand den Ventildeckel runter. Dabei konnte ich schon vorher sehen, dass die Ventileinstellschraube von dem gleichen Ventil eins diesmal sogar ein Loch in den Ventildeckel gehauen hat. Das gleiche Trauerspiel: Einstellschraube völlig lose, Stößelstange krumm, Ventilkappe abgefallen. Provisorisch Ventilspiel mit krummer Stößelstange eingestellt und wieder zum Zerlegen in die Scheune gefahren. Hier habe ich noch das Gewinde im Kipphebel kontrolliert ohne Schäden zu entdecken.

Die Suchfunktion hat nichts Ähnliches ergeben. Zweimal das gleiche ist schon rätselhaft. Wer hat eine schlaue Idee zum weiteren Vorgehen?
Ungekonterte Grüße, Ulrich

http://up.picr.de/18154672nt.jpg

emmess
02.05.2014, 17:43
Moin Ulrich,

sowas ist blöd!

Hast du dir mal den Kipphebel genau angesehen? Vielleicht hat der einen Riß. Dann verliert die ganze Sache im Betrieb die nötige Vorspannung und das Schräubchen wandert nach oben.....

Hast du beim Kontern ein "teigiges Gefühl" beim Anziehen oder ist das eher "knackig"?
Der Stößel steckt mit seinem unteren Ende am richtigen Platz, nehme ich an?
Der Kanal durch den der Stößel läuft sieht im Zylinderkopf aus wie die anderen? Oder läuft der Stößel irgendwo seitlich an?

Irgendwie muss der Defekt ja schlagartig auftreten, sonst würde sich der Motor ja vorher durch Ventliklappern melden, das hättest du sicher gehört.
Und irgendetwas muss an dem betreffenden Ventiltrieb oder seinem Umfeld anders sein als bei den anderen 7.

Mehr fällt mir auch nicht ein.

Daumendrückende Grüße

Martin

onehundred
02.05.2014, 21:51
Danke Martin,
ich habe die ganze Kipphebelwelle noch einmal zerlegt, alles inspiziert. Nichts auffälliges, auch nicht am ersten Kipphebel. Den Stösselschieber und den Stösselkanal hab ich auch noch mal gecheckt - ohne besonderen Befund.
Also eine von den alten Stößelstangen und Einstellschraube wieder eingebaut. Ventildeckel mit Plastikstahl geklebt. Bei der jetzigen Proberunde ist nichts passiert.
Ich hoffe, ich komme damit morgen bis zum Motorenmuseum in Lütjensee.
Ventilierte Grüße, Ulrich

http://up.picr.de/18159278tj.jpg

http://up.picr.de/18159279ij.jpg

Einstelschraube hat natürlich noch die Kontermutter bekommen ;)

rienesl
02.05.2014, 23:27
Hm, die einzige Erklärung für die lose Kontermutter währe ein ein Kipphebel mit ausgenudeltem Gewinde. Wenn der Kipphebel nun mit der Schraube auf das Ventil drückt, rutscht die Schraube irgendwann einen Gewindegang nach oben, damit ist die Kontermutter lose und der Rest arbeitet sich dann mit der Zeit immer weiter nach oben. Ich weiß, ziemlich abgefahrene Theorie, aber ich hab' echt keine andere Erklärung, wie sich die Mutter sonst lösen könnte. (wobei ich mich abgesehen davon frage, wie Du die Mutter mit dem Drehmo angezogen hast, man muß ja gleichzeitig die Schraube gegenhalten?).

12KF16
03.05.2014, 06:54
Ich denke auch Kipphebel und Schraube mit Mutter wechseln.
Hast Du schon Turner mit dem Problem konfrontiert?
Firma hat ja einen sehr guten Ruf, schick denen ein paar Zeilen und Photos.

Zebulon
03.05.2014, 08:33
Ich würde den kompletten Kipphebel samt Einstellschraube und Mutter erneuern. Die Stösselstange sowieso.

Aber nochwas geht idR kaputt, und das ist das Rollenstössel am unteren Ende der Stösselstange:
http://www.rainer4x4.de/motor300tdi/Imgp1190.jpg
Das sollte nach einer verbogenen Stösselstange zumindest auf Schäden untersucht werden. Dazu muss der Kopf runter.
Bei Austausch darauf achten, das Messingteil hat ein eingraviertes F, das muss beim Einbau zur Motorfront zeigen!

erik
04.05.2014, 11:46
da hier kein zahnriemenriss vorlag sondern nur ein ventil eine schlag erhalten hat der auch noch in richtung der ventilführung war würde ich erstma nur eine neue kipphebelwelle und den kipphebel wechseln.die kipphebelwelle hatte bei mir auch mal einen knall abbekommen und ist gebrochen.das teil kost ja fast nix.

onehundred
04.05.2014, 13:13
Moin zusammen,
danke für die Tipps. Ich bin gestern mit dem Auto ca. 350km ohne Auffälligkeiten gefahren. Ich hatte dafür eine intakte alte Stösselstange und Einstellschraube montiert. Auf euren Rat werde ich einen neuen Kipphebel einbauen, auch wenn ich keinen Schaden an dem jetzigen erkennen kann. Den Messingschieber habe ich von oben mit dem Endoskop angeschaut, ein Riss wie auf Rainers Foto war nicht zu sehen. Ich denke, dass ich den Kopf erst dann noch einmal herunter nehmen werde, wenn sich am Ventil eins erneut eine Zunahme des Ventilspiels einstellt.
Das ganze bleibt rätselhaft.

@12KF16: Ich habe eigentlich keine Idee, was das mit dem neuen Zylinderkopf zu tun haben könnte, deswegen habe ich Turner bisher nicht kontaktiert.
@rienesel: Ich habe leider keinen Dremo mit Gabelschlüsseleinsatz, deswegen habe ich natürlich mit dem normalen Schlüssel gekontert und mit dem Dremo kontrolliert.

Gekonterollierte Grüße, Ulrich

edit wegen zu spät gelesen:
@erik: Die Kipphebelwelle habe ich genau inspiziert, aber das Argument des einfachen Wechsels ist gut, danke!

Jens109
04.05.2014, 18:09
Hi, wenn die Einstellschraube mit dem Kipphebel ein loch in den Ventildeckel schlägt, warum sind dann die Stößelstangen immer wieder krumm? Das kann doch nur sein wenn das Ventil zu tief ist und der Zylinder sich seinen Platz erstreitet und gewinnt.
Wenn die Schaube nach oben raus wandert gibt es zuviel Spiel.

Vielleicht habe ich aber auch was falsch verstanden?

Zebulon
04.05.2014, 18:22
Den Messingschieber habe ich von oben mit dem Endoskop angeschaut, ein Riss wie auf Rainers Foto war nicht zu sehen.
Das ist auch kein Riss, sondern die Kugelpfanne war aufgrund der lose hüpfenden Stösselstange total ausgenudelt. Die Stösselstangen werden ja nicht ohne Grund so krumm.

Jens109
04.05.2014, 18:26
Na klar, zuviel Spiel und der Hebel trifft die Kante des Stössels.